Denken verboten

Heute morgen habe ich beim Einkaufen bei einem Grossverteiler eine Aktion entdeckt: Man darf sich einen Plastiksack mit Grapfruits füllen und zahlt dafür 7 Franken. Auf dem Schild steht: Einfach Plastiksack füllen und ohne zu wägen an die Kasse gehen. Darunter steht klein: Bei 3kg Füllgewicht ergebe das einen Kilopreis von Fr. 2.34. Mal abgesehen davon, dass man wohl gerade knapp 3 kg in die relativ kleine Tüte bringt (ich habs nicht ausprobiert); Ein paar Meter nebenan stehen bereits gefüllt Netze mit einem Füllgewicht von 1.5kg zum Preis von 2.70. Macht einen Kilopreis von Fr. 1.80.

Auf dem Schild steht zwar "nicht wägen", gemeint ist aber wohl eher "Nicht denken". Irgendwie habe ich das Gefühl, ich müsse dauernd aufpassen, dass ich nicht auf Strich und Faden "bschisse" werde.

Innen- und Aussensicht

Wir haben uns in den letzten Jahren viel mit internen Abläufen beschäftigt. Wir haben Prozesse vereinfacht, haben die Effizienz und die Vernetzung gefördert. Mit der Geschäftsleitung haben wir ein Gremium geschaffen, das nicht nur einmalig ist in der kantonalen Gemeindelandschaft, sondern viel zur Entlastung des Gemeinderats von operativen Tätigkeiten beigetragen hat. Wenn wir uns mit unseren Benchmark-Gemeinden vergleichen, so dürfen wir feststellen, dass wir mit wesentlich weniger Angestellten zum Teil noch zusätzliche Aufgaben für umliegende Gemeinden übernehmen. Nach der Konzentration auf die Innensicht, haben wir uns in der letzten Zeit auch vermehrt mit der Aussensicht beschäftigt. Ein Ergebnis war die neue Website. Ein zweiter Punkt ist der Auftritt der Gemeinde in seinen Druckerzeugnissen.

Der Gemeinderat hat als Erstes einen Slogan festgelegt, unter welchem er künftig die Gemeinde auftreten lassen will. Dies ist einerseits ein Marketing-Instrument, andererseits aber auch die eigentliche Zusammenfassung des Leitbilds. Wir versuchen damit, unsere strategischen Ziele aber auch den Kern unseres Handelns, nämlich die Zurverfügungstellung von guten Dienstleistungen, auf eine möglichst kernige Formulierung zu bringen. Weil wir uns seit Jahren bemühen, nicht einfach nur das Notwendige zu liefern. Die Verdichtung dieser Absichten mündete schliesslich im Ausdruck: etwas mehr... Wir wollen damit ausdrücken, dass Sie bei uns etwas mehr erwarten dürfen: Etwas mehr Dienstleistung, etwas mehr Tempo bei der Erledigung, etwas mehr Freundlichkeit, etwas mehr Einsatz für kreative Lösungen. Dazu resultiert etwas mehr Lebensqualität, etwas mehr Leistung, etwas mehr Infrastruktur und wie die letzte Statistik der Steueransätze in der Region sogar etwas mehr Steuern sparen.

Ein weiterer Schritt wird die Neuentwicklung eines Logos und damit verbunden des Auftritts der Gemeidne sein. Dieses wird in Kürze der Oeffentlichkeit vorgestellt.

Website nach ein paar Tagen

Offenbar kommt sie an und wird beachtet, unsere neue Website. Jedenfalls sind die Besuche und die Rückmeldungen zahlreich und eigentlich mehrheitlich positiv. Selbstverständlich haben wir auch Dinge vergessen und sind nun am korrigieren, aber eigentlich haben wir das auch nicht erwartet, dass es ohne Pannen abläuft. Beispielsweise scheint die angekündigte Benachrichtigung per sms noch nicht zu funktionieren. Woran das liegt, klären wir noch ab. Und auch bei der Einrichtung der vorgesehenen Live-Cam wird es zu Verzögerungen kommen, weil das doch gerade ein bisschen komplizierter ist, als wir uns dies vorgestellt hatten (jedenfalls in der Qualität, in der wir das gerne hätten.

Aber wie gesagt, im Grossen und Ganzen kommt der neue Auftritt an und wir sind froh um differenzierte Rückmeldungen und auch detaillierte Verbesserungsvorschläge.

Über Alzheimer und Politik

Heute gab es einige Meldungen in der Zeitung, die ich doch bemerkenswert fand, insbesondere, wenn man sie miteinander verknüpft. Der Sohn des ehemaligen amerikanischen Präsidenten Reagan gibt eine Biografie seines Vaters heraus. Darin sagt er auch, Reagan habe bereits während seiner Amtszeit erste Anzeichen der späteren Krankheit Alzheimer gezeigt. Mag ja sein, dass dies eine besondere Meldung wert ist, für mich jedenfalls ist das in der Politik nichts Neues. Nehmen wir ein Beispiel: Toni Brunner findet die Rücktrittsforderungen zu Handen des (ehemaligen) CVP-Nationalrats Müller aus St. Gallen völlig daneben. Es muss sich da auch um erste Anzeichen von Alzheimer handeln, wenn ich daran denken, wie er und andere Exponenten sich zum Parteiwechsel von beispielsweise Werner Luginbühl, Ursula Haller oder Evelyn Widmer-Schlumpf geäussert haben. ;-) Noch viel bemerkenswerter aber ist der Aufruf von Muhamar Ghadaffi an die Tunesische Bevölkerung. Er schlägt ihnen vor, sie sollten eine direkte Demokratie nach dem lybischen Vorbild einrichten. Ich glaube, da kann man wirklich nicht mehr von ersten Anzeichen einer Krankheit sprechen, da bräuchte es eine Behandlung in einer geschlossenen Anstalt. Richtiggehend geärgert habe ich mich aber über die Meldung, dass in der Botschaft zur Abstimmung über Mühleberg nichts über das geplante Zwischenlager für hochradioaktive Abfälle steht. Nicht wegen der Tatsache an sich, aber weil ich als Mitglied des Büros des Grossen Rats mitverantwortlich bin für die Botschaftstexte und ich dies bereits im Dezember gewusst hätte und trotzdem nicht reagiert habe (Alzheimer?). Man musste sich beim Redigieren etwa ähnlich beeilen wie für die Botschaft zu unseren Gemeindegeschäften. Am Nachmittag um 16 Uhr kam der Text per Mail, am nächsten Morgen um 9 Uhr war die Sitzung, wo alles durchgelesen sein musste. Mit diesem Tempo gelangen wir wirklich an die Grenzen des Milizsystems und man darf sich nicht wundern, wenn sich Fehler häufen. Ich kann nur hoffen, dass bei unserer Botschaft kein solcher Bock drin ist.

Politischer Widerspruch

Es mag ja nicht ganz so extrem sein, wie in den Vereinigten Staaten. Aber die Tendenz ist deutlich spürbar. Jedenfalls, wenn ich zurückblicke auf die Zeit, in der ich an vorderster Front Politik betreibe. Das Klima ist rauer geworden, der Ton zuweilen gehässiger. Unser Land ist stark und das System stabil geworden, weil wir ein Konkordanz-System betreiben. Alle politischen Kräfte werden eingebunden, die Meinungsvielfalt ist gewährleistet. Das macht das System vielleicht etwas träger aber eben dafür stabil. Viele Exponenten der Parteipolitik (links wie rechts) verhalten sich aber mittlerweile so, als hätten wir ein Regierungs- und Oppositionssystem. Dort muss man grundsätzlich alles schlecht finden, was von der anderen politischen Richtung kommt. Diese beiden Systeme widersprechen sich grundsätzlich und deshalb macht mir bisweilen das Politisieren etwas Mühe, jedenfalls, wenn es ausserhalb der Gemeinde ist. Es vergeht kaum eine Woche, wo nicht irgend ein gehässiges anonymes Pamphlet ins Haus schneit. Offenbar bedeutet Parteipolitik, den Untergang der Vernunft und des gesunden Menschenverstands gegenüber der Ideologie. Eine solche Politik ist nicht mein Ding.

Schlitzohr

Kürzlich wurde ich bereits zum x-ten Mal angesprochen auf die Tafeln mit den Hinweisen auf Veranstaltungen am Dorfeingang. Diesmal begann aber das Gespräch ganz anders. Ich sei doch Künstler, wurde ich gefragt. Da ich mich trotz kreativem Beruf nicht wirklich oder zumindest höchst selten als Künstler bezeichne, zögerte ich mit der Antwort. Nun gut, kam die Nachfrage, zumindest hätte ich ein Auge für das Schöne. Dies wage ich zu behaupten, natürlich immer im Wissen, das Schönheit ein höchst subjektiver Begriff ist. Was ich denn nun von den Tafeln am Dorfeingang halte, war die nächste Frage. Dieses abgeschnittene "Uetendorf" sehe doch schrecklich aus. Nun wurde es vollends heikel, bin ich doch höchstpersönlich genau dafür verantwortlich. Und offenbar beschäftigt das die Leute immer wieder. Was nicht ganz und gerade und geordnet ist, kann nicht gut sein. Unzählige Leute haben mich bereits darauf angesprochen.

Meine erste Gegenfrage ist dann jeweils, ob Sie mich auch auf die Tafeln angesprochen hätten, wenn das Wort ganz zu sehen wäre. Die zweite Frage, ob sie sich zumindest jedes Mal darüber aufregen würden? Das Ganze hat nämlich einen bewussten Hintergrund und ist nicht einfach zufällig so. Aus der Sicht des Marketings muss etwas irritieren, damit es beachtet wird. Die Tafeln werden vermehrt beachtet, gerade weil sie eben nicht der Norm entsprechen. Dabei ist es egal, ob das Gefühl dabei ein negatives ist. Wichtig ist, dass man hinschaut. Und schliesslich soll man ja auf eine Veranstaltung eines Vereins im Dorf hingewiesen werden. Da ist es nichts als richtig, dass dies auch beachtet wird. Das Anschneiden des Dorfnamens ist also nicht Unfähigkeit. sondern schlicht und ergreifend ein Werbetrick.

Ich sei ein Schlitzohr, meinte darauf der Bekannte. Dieser Bemerkung widersprach ich dann nicht mehr.

Willkommen

Nun steht sie also, die neue Website, an der verschiedene Leute während längerer Zeit sehr intensiv gearbeitet haben. Sie soll einen intensiveren und vermehrten Kontakt auch auf der digitalen Ebene erlauben. Dies ganz gemäss unserer Vision: Uetendorf. Etwas mehr.

Noch steht nicht alles, was wir uns in der ersten Euphorie vorgenommen haben. Aber es ist doch schon ersichtlich, dass wir auch hier ein bisschen eigene Wege gehen wollen.

Wir sind gespannt auf Rückmeldungen und freuen uns über jede Kritik, sei sie nun positiv oder negativ.

Selbstverständlich wollen wir daneben nicht vergessen, auch unsere ganz konkreten Kontakte und Dienstleistungen zu pflegen. Treten Sie also jederzeit mit uns in Kontakt, damit wir unser Dienstleistungszentrum Gemeinde laufend verbessern können.

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